Dass Fußball ein eigener Wirtschaftszweig ist, mit Arbeitsplätzen, Steuern und Erlösen aus dem Ausland, geht in der Debatte ebenso unter wie der Werbewert, den ein Europacup-Klub seiner Stadt verschafft.
Dieser Artikel zeigt, was Sturm für Graz tatsächlich leistet: wirtschaftlich, gesellschaftlich und als Aushängeschild in Europa. Das lässt sich belegen, in Euro und Arbeitsplätzen, in Spenden und sozialen Projekten, in Europacup-Abenden und im Namen der Stadt auf Bildschirmen quer durch den Kontinent. Der Bogen reicht von 42 Millionen Euro Wertschöpfung über rund 900.000 Euro Spenden aus der Fankurve bis zu Champions-League-Abenden, deren Wertschöpfung in einer anderen Stadt blieb.
Anlass: Der Ausstieg der Holding Graz


Die Holding Graz steigt nach der laufenden Saison aus dem Sponsoring der Grazer Profiklubs aus: Sturm verliert rund 500.000 Euro pro Jahr, der GAK 300.000 Euro, die Graz99ers 200.000 Euro1. Die Holding gehört fast vollständig der Stadt, der Schritt ist Teil eines Sparpakets; Frauen-, Nachwuchs- und Special-Needs-Teams sollen laut Stadt weiter unterstützt werden. Zugleich sieht der Entwurf des Landesbudgets 2027 rund zehn Prozent weniger Geld für den Sport vor2.
Sturm klebte beim Europa-League-Spiel in Bournemouth am 15. Oktober 2026 den Schriftzug „Graz“ im Wappen ab3. Präsident Christian Jauk: Nicht die Stadt fördere Sturm, sondern Sturm fördere die Stadt4.
Sparen ist notwendig. Aber muss es ausgerechnet ein Sponsoring treffen, das laut Studie fast das Vierfache an Werbewert gebracht hat16? Und ist es klug, gerade jetzt das Verhältnis zu einem Verein zu belasten, der den Namen Graz durch Europa trägt?
Politische Chronologie
Wie es so weit kommen konnte
Der Ausstieg aus dem Sponsoring ist nur der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt. Wer verstehen will, warum Sturm so heftig reagiert, muss sich die ganze Geschichte ansehen, und die beginnt lange vor der jetzigen Stadtregierung.
Im Dezember 2002 erhielten Österreich und die Schweiz den Zuschlag für die Europameisterschaft 2008106. Österreichs Spielorte wurden Wien, Salzburg, Innsbruck und Klagenfurt105. Dass auch Graz Spielort werden könnte, stand im Raum, die Chance auf einen Ausbau von Liebenau blieb aber ungenutzt92. Graz überließ Kärnten und Landeshauptmann Jörg Haider den Vortritt, alle Pläne für ein EM-taugliches Stadion in Graz wurden beiseitegeschoben103. In Graz regierte damals Bürgermeister Alfred Stingl (SPÖ)108, in der Steiermark Landeshauptfrau Waltraud Klasnic (ÖVP)112.
Haider machte das Klagenfurter Stadion zur Chefsache: Als Klagenfurts Bürgermeister 2003 die Mehrkosten nicht übernehmen wollte, nannte Haider einen Ausstieg eine internationale Blamage104. Das neue Wörthersee Stadion für rund 30.000 Zuschauer wurde im September 2007 eröffnet und kostete 92 Millionen Euro. Bund, Land und Stadt sollten je ein Drittel zahlen; weil die Stadt Klagenfurt ihren Anteil nicht aufbringen konnte, übernahm ihn das Land Kärnten107. Genau in diesem Stadion spielt Sturm heute seine Champions-League-Heimspiele.
Im März 2003 wurde Siegfried Nagl (ÖVP) Bürgermeister108. Er regierte Graz 18 Jahre lang, zuletzt gemeinsam mit der FPÖ110, und war nach eigenen Worten GAK-Fan109. In seiner Amtszeit ließen nötige Adaptierungen in Liebenau auf sich warten, Sturms Ausbaupläne für ein „Tor zur Stadt“ wurden mit der Zeit verworfen, und als Mieter hält der Verein bis heute nicht einmal die Schankrechte im eigenen Heimstadion111.
Einen finanzierten Ausbauplan gibt es erst unter der seit 2021 regierenden Koalition unter Bürgermeisterin Elke Kahr (KPÖ). Im Oktober 2024 fiel die Entscheidung, Liebenau zu modernisieren und zu vergrößern91; die Stadt kaufte Grundstücke rund um das Stadion111, sagte 30 Millionen Euro zu113 und legte im Jänner 2026 einen Ausbauplan über 60 bis 70 Millionen Euro vor86. Im Mai 2026 folgte der Grundsatzbeschluss im Gemeinderat73. Über das Betriebsmodell wird noch gestritten: Die Stadt will das Stadion im öffentlichen Eigentum behalten86, Sturm bevorzugt ein Baurecht59.
Die Versäumnisse, die Sturm heute nach Klagenfurt zwingen, sind über Jahrzehnte entstanden und nicht in den letzten fünf Jahren. Der Ausstieg der Holding trifft den Verein deshalb an einer ohnehin wunden Stelle.
Die Chronologie von 1997 bis heute
- bis 2003 Bürgermeister Alfred Stingl
- 1997Eröffnung des neuen Stadions Liebenau; die Stadt trägt rund 20 % bzw. 5,2 Mio. € der Baukosten92.
- Dezember 2002Zuschlag für die EURO 2008: Klagenfurt wird vierter österreichischer Spielort, Graz geht leer aus105, 92. Bürgermeister ist Alfred Stingl (SPÖ), Landeshauptfrau Waltraud Klasnic (ÖVP)108, 112.
- 2003–2021 Bürgermeister Siegfried Nagl
- März 2003Siegfried Nagl (ÖVP) wird Bürgermeister und regiert bis 2021108.
- September 2007Eröffnung des neuen Wörthersee Stadions in Klagenfurt: rund 30.000 Plätze, 92 Mio. € Baukosten107.
- 2012Sturm präsentiert Umbaupläne für Liebenau; laut Fan-Initiative sagte Nagl Unterstützung zu, die nach der Wahl ausblieb97.
- 2017Nagl geht nach der Gemeinderatswahl eine schwarz-blaue Koalition mit der FPÖ ein96; der von Sturm geforderte Ausbau (Sitze, Hospitality, VIP-Klub, Vorplatz, rund 7 Mio. €) wartet noch auf eine Finanzierungszusage des Landes12.
- Oktober 2019Sturm bietet Millionen, um das Stadion zu pachten; vom Betreiber Holding Graz kommt bis dahin keine Reaktion95.
- seit 2021 Bürgermeisterin Elke Kahr
- September 2021Die KPÖ wird mit 28,8 % stärkste Partei, Elke Kahr wird Bürgermeisterin; Nagl tritt zurück93, 94.
- 2023Die Stadt kündigt einen Ausbau mit Skyboxen bis Sommer 2026 an; Verzögerungen wegen der Finanzlage70.
- August 2023Sturm erklärt, das Stadion im Baurecht übernehmen und dafür einen zweistelligen Millionenbetrag investieren zu wollen75.
- September 2023Der Gemeinderat richtet einen Ausschuss zur Stadionfrage ein; 16 Standorte werden geprüft92.
- Anfang 2024Die UEFA verweigert Liebenau die Zulassung für die Champions-League-Gruppenphase76.
- 2024/25Die Champions-League-Heimspiele müssen nach Klagenfurt77.
- Oktober 2024Die Stadtkoalition aus KPÖ, Grünen und SPÖ beschließt mit beiden Vereinen: kein zweites Stadion, Liebenau wird modernisiert und vergrößert91.
- Dezember 2024Neue Landesregierung aus FPÖ und ÖVP unter Mario Kunasek (FPÖ), zuständig auch für Sport90.
- April 2025Trainingszentrum Puntigam: 16,2 Mio. € netto, die Stadt übernimmt die Hälfte des Grundstücks, das Land fördert mit bis zu 4,8 Mio. €89.
- 2025Erste Machbarkeitsstudie: Vollausbau rund 150 Mio. € inklusive Grundstücke, die Stadt stellt 30 Mio. € in Aussicht80.
- Herbst 2025Baubeginn für das Sturm-Trainings- und Nachwuchszentrum in Puntigam88.
- Jänner 2026Stadt, Sturm und GAK einigen sich auf eine gemeinsame Perspektive: Stadt und Land sollen bauen und besitzen, die Vereine das Stadion samt allen Vermarktungsrechten pachten86, 87.
- Mai 2026Vertiefte Machbarkeitsstudie: Modernisierung um rund 60 Mio. € netto, rund 20.100 Plätze; Grundsatzbeschluss im Gemeinderat am 21. Mai; Stadt und Land beim Betriebsmodell noch uneins73, 85.
- Juni 2026Gemeinderatswahl am 28. Juni: KPÖ mit 35,6 % stärkste Partei, Elke Kahr bleibt Bürgermeisterin; die Stadtregierung wird von KPÖ und Grünen getragen84, 1.
- September 2026Betriebsform des Stadions weiter offen; Sturm bevorzugt ein Baurechtsmodell, bei dem die Vereine den Großteil der städtischen Investitionskosten übernehmen und dafür alle Rechte erhalten59, 83.
- Oktober 2026Entwurf Landesbudget 2027: Sport minus 10 %, Sportvereine minus 14,1 %2.
- Oktober 2026Holding Graz kündigt den Ausstieg aus dem Profisport-Sponsoring an; Sturm protestiert in Bournemouth1.
Wie die Ären beurteilt werden
Der Sportjournalist Jürgen Pucher schrieb 2023, Nagl habe in fast zwei Jahrzehnten als Bürgermeister alle Ansätze einer Stadionlösung im Keim erstickt98. Bereits 2019 kritisierte das Magazin, Nagls Wahlkampfversprechen eines „Tors zur Stadt“ samt Stadion habe kaum Ergebnisse gebracht99.
Die Opposition wirft der Kahr-Koalition vor, die Stadionfrage seit fünf Jahren zu verzögern und keinen umsetzbaren Plan zu haben100. Ein endgültiger Gemeinderatsbeschluss zum Ausbau lag bis September 2026 nicht vor.
Auf Landesebene erklärte Landeshauptmann Kunasek laut einem Antrag der Grünen, aus dem Globalbudget Sport würden grundsätzlich keine Sportinfrastrukturmaßnahmen finanziert101.
Die Zahlen auf einen Blick
Den rund 500.000 Euro Sponsoring pro Jahr stehen messbare Rückflüsse in Millionenhöhe gegenüber. Die Details und Quellen folgen in den einzelnen Abschnitten.
- 1,9 Mio. €
- Werbewert für die Holding durch Sturm 2023/24, bei rund 0,5 Mio. € Sponsoring pro Jahr (Holding-eigene Studie)
- 42 Mio. €
- Bruttowertschöpfung durch Sturm in der Steiermark, Geschäftsjahr 2022/23
- 462,5
- ausgelastete Vollzeitstellen
- 20,2 Mio. €
- ausgelöste Steuern und Abgaben pro Jahr
- 0,6–0,9 Mio. €
- Kommunalsteuer direkt an Graz pro Jahr (Schätzung)
- 95,25 Mio. €
- Umsatz 2024/25, Platz 2 in Österreich
- über 8 Mio. €
- Wertschöpfung der vier Champions-League-Heimspiele 2024/25, die in Klagenfurt anfiel (Schätzung der Stadt Klagenfurt)
- rund 905.000 €
- Spenden der Sturm-Fanszene seit 2013
- 27-fach
- gesellschaftlicher Rückfluss je Euro öffentlicher Mittel im Fußball (ÖFB-Studie)
- fast 5 %
- Anteil des Sports an Österreichs Bruttowertschöpfung (EU-Sport-Satellitenkonto)
Die häufigsten Einwände
Kurze Antworten auf das, was in Kommentarspalten am häufigsten zu lesen ist.
„Sturm hat doch genug Geld.“ #
Es geht nicht um eine Förderung, sondern um Sponsoring mit Gegenleistung. Laut der Holding-eigenen Studie bekam die Holding 2023/24 für rund 500.000 Euro im Jahr einen Werbewert von 1,9 Millionen Euro, fast das Vierfache.
„Das Geld gehört in den Breitensport.“ #
Breitensport und Spitzensport sind keine Gegensätze. Eine Studie im Auftrag des ÖFB beziffert den gesellschaftlichen Rückfluss je Euro öffentlicher Mittel im Fußball mit dem 27-Fachen, und Sturm betreibt selbst Frauen- und Nachwuchsteams.
„Die Stadt hat Sturm doch ein Stadion hingestellt.“ #
Liebenau wurde 1997 eröffnet, die Stadt trug rund 20 Prozent der Baukosten. Sturm ist dort bis heute Mieter ohne volle Vermarktungsrechte, und für die Champions League ist das Stadion nicht zugelassen: 2024/25 mussten alle vier Heimspiele nach Klagenfurt.
„Davon hat die Stadt nichts.“ #
Sturm löst laut Wertschöpfungsstudie in der Steiermark 42 Millionen Euro Bruttowertschöpfung, 462,5 Vollzeitstellen und 20,2 Millionen Euro Steuern und Abgaben pro Jahr aus. Direkt an Graz fließen geschätzt 0,6 bis 0,9 Millionen Euro Kommunalsteuer im Jahr.
„Schuld ist die jetzige Stadtregierung.“ #
Die Stadionmisere ist über Jahrzehnte entstanden: Vor der EURO 2008 ging der Zuschlag nach Klagenfurt, unter Bürgermeister Nagl blieb Liebenau 18 Jahre lang ohne grundlegende Modernisierung. Den ersten finanzierten Ausbauplan hat die Koalition unter Elke Kahr vorgelegt.
Fußball ist ein Wirtschaftszweig
Sport erwirtschaftet in der EU 3,4 Prozent der Wirtschaftsleistung, in Österreich sogar fast 5 Prozent der Wertschöpfung. Profifußball ist darin ein wachsender Kern: Europas Erstligisten setzten 2024 einen Rekord von 28,6 Milliarden Euro um, Sturm ist nach Umsatz der zweitgrößte Klub Österreichs.
Europa: Sport und Fußball in Zahlen
- Sport in der EU: Laut EU-Sport-Satellitenkonto (Ausgabe 2025, Daten 2019) entfallen 3,4 Prozent des EU-BIP auf Sport, das sind 627,5 Milliarden Euro. Sport sichert direkt über 6 Millionen und insgesamt fast 9,3 Millionen Jobs, 3,8 Prozent der Beschäftigung5.
- Österreich an der Spitze: Im EU-Vergleich sticht Österreich heraus, Sport trägt hier fast 5 Prozent zur nationalen Bruttowertschöpfung bei. Jeder in Sport investierte Euro erzeugt laut Bericht 1,70 Euro Bruttowertschöpfung, die Sportwirtschaft wuchs 2012 bis 2019 real um fast 3 Prozent pro Jahr.
- Europäischer Klubfußball: Die Erstligisten Europas erzielten 2024 einen Rekordumsatz von 28,6 Milliarden Euro; für 2025 erwartet die UEFA über 30 Milliarden. Seit 2015 sind die Umsätze um mehr als 13 Milliarden Euro gestiegen6.
- Deutschland als Maßstab: Die 36 Profiklubs setzten 2024/25 6,33 Milliarden Euro um, zahlten fast 1,7 Milliarden Euro Steuern und Abgaben und beschäftigten 64.122 Menschen; in zehn Spielzeiten flossen über 14 Milliarden Euro an Steuern und Sozialabgaben7, 8. Eine von der DFL beauftragte McKinsey-Studie rechnet mit 14,2 Milliarden Euro Wertschöpfung und fast 150.000 Vollzeitstellen im gesamten Umfeld9.
Österreich: Sturm ist die Nummer zwei
Zehn von zwölf Bundesligisten schlossen 2024/25 mit Gewinn ab10.
Umsatz der Bundesligisten 2024/25 in Millionen Euro
Alle zwölf Bundesligisten zusammen setzten 2024/25 rund 476 Millionen Euro um; auf Sturm entfiel davon rund ein Fünftel (eigene Summe aus den veröffentlichten Klubzahlen). Die österreichische Liga ist zudem ein Talenteexporteur: Allein im Sommer 2022 nahmen die zwölf Klubs 122,59 Millionen Euro aus Spielerverkäufen ein11.
Sturm als Unternehmen, das Geld nach Graz holt
- Wachstum: 2017 plante Sturm mit einem Budget von 12,5 bis 13 Millionen Euro ohne Europacup-Einnahmen12. 2023/24 lagen die Erträge bei 54,4 Millionen, 2024/25 bei 95,25 Millionen Euro mit über 12,6 Millionen Euro Gewinn. Der Verein selbst nennt 2024/25 einen historischen Ausreißer nach oben10.
- Einnahmen aus dem Ausland: Aus der Champions League 2024/25 erhielt Sturm laut UEFA-Finanzbericht 28,03 Millionen Euro13. Dazu kamen Ablösen ausländischer Klubs, etwa rund 13 Millionen Euro von Monaco für Mika Biereth14. Dieses Geld wird in Graz für Gehälter, Dienstleister und Investitionen ausgegeben, wie bei einem Exportbetrieb.
- Talententwicklung als Geschäftsmodell: Rasmus Höjlund kam im Jänner 2022 um 1,9 Millionen Euro und ging im August 2022 um bis zu 20 Millionen Euro zu Atalanta, ein Jahr später um 70 Millionen zu Manchester United14. Der geschätzte Kaderwert stieg von 28 Millionen Euro im Sommer 2020 auf 69 Millionen Euro.
- Investitionen in Graz: Für das neue Trainingszentrum in Puntigam investiert Sturm 3,39 Millionen Euro in den Grundstückskauf und weitere 4,58 Millionen Euro in den Bau15.
Sponsoring statt Förderung: Was die Holding selbst gemessen hat
Nach den eigenen Zahlen der Holding brachte das Sturm-Sponsoring 2023/24 einen Werbewert von 1,9 Millionen Euro, knapp das Vierfache der jetzt gestrichenen Summe. Es handelt sich nicht um eine Sportförderung, sondern um Sponsoringverträge mit Werbe- und Marketingleistungen der Vereine1.
Die Holding ließ die Wirkung ihres Sponsorings 2025 von der FH CAMPUS 02 untersuchen und veröffentlichte die Ergebnisse selbst16. Dass die Holding diese Zahlen erheben und offenlegen ließ, verdient Anerkennung. Der Werbewert aus fünf Sportvereinen lag in der Saison 2023/24 bei über vier Millionen Euro.
Was die Holding zahlt und was sie dafür bekommt
Werbewert für die Holding 2023/24Sponsoring pro Jahr
SK SturmVerhältnis rund 3,8 : 1
GAKVerhältnis rund 2,9 : 1
Graz99ersVerhältnis rund 2,3 : 1
UVC Graz
HSG Graz
Der Werbewert bei Sturm ist mit dem sportlichen Erfolg gewachsen. Für 2021/22 bezifferte die Holding ihn auf rund 900.000 Euro, für 2022/23 auf deutlich über eine Million Euro17. 2023/24 waren es 1,9 Millionen Euro.
Laut der Studie löst das gesamte Holding-Sponsoring in der Steiermark Effekte von 1,13 Millionen Euro auf das Bruttoregionalprodukt aus (Bruttowertschöpfung 1,01 Millionen Euro) und lastet 24 Arbeitsplätze aus. Das Sponsoringvolumen lag 2024 bei 2,4 Millionen Euro für 114 Projekte18.
Holding-Marketingchef Richard Peer führte Verkaufserfolge wie beim Klimaticket und bei den GrazGutscheinen ausdrücklich auch auf die Bewerbung über das Sponsoring zurück19. Die Downloadzahlen der Holding-Apps stiegen im selben Jahr um durchschnittlich 166 Prozent. Über die Sponsoringkooperationen wurden zudem rund 1.400 Tickets an Grazerinnen und Grazer verlost.
Sturm-Präsident Jauk betont, die Holding erhalte durch die öffentliche Präsenz des Vereins Werbe- und Kommunikationswerte, die den finanziellen Umfang des Sponsorings bei Weitem übersteigen2. Die Holding-eigene Studie stützt diese Aussage zahlenmäßig.
Was direkt bei der Stadt ankommt
Über die Kommunalsteuer fließt Sturm-Geld direkt in die Stadtkasse, geschätzt rund 0,6 bis 0,9 Millionen Euro pro Jahr. Dazu kommen Wertschöpfung, Arbeitsplätze und Steuern, die eine Studie für 2022/23 auf 42 Millionen Euro, 462 Vollzeitstellen und 20,2 Millionen Euro beziffert.
Kommunalsteuer
Die Kommunalsteuer ist eine ausschließliche Gemeindeabgabe: 3 Prozent der Lohnsumme, abzuführen an die Gemeinde der Betriebsstätte20. Sturms Geschäftsstelle und Trainingszentren liegen in Graz.
Der Personalaufwand von Sturm lag laut Bundesliga 2023/24 bei 25,3 Millionen Euro21 und 2024/25 bei 34,67 Millionen Euro10. Der Personalaufwand enthält auch Dienstgeberbeiträge; nimmt man die reine Lohnsumme mit rund 85 Prozent davon an, ergibt das rund 0,65 Millionen Euro (2023/24) bzw. rund 0,9 Millionen Euro (2024/25) Kommunalsteuer. Die genaue Lohnsumme veröffentlicht der Verein nicht, die Zahlen sind daher eine Schätzung.
Wertschöpfung, Jobs und Steuern
Die FH CAMPUS 02 hat gemeinsam mit dem Institut für Wirtschafts- und Standortentwicklung der Wirtschaftskammer Steiermark die regionalwirtschaftlichen Effekte von Sturm zweimal berechnet22, 23. Grundlage sind die Geschäftszahlen des Vereins und eine Befragung von Stadionbesuchern, gerechnet mit einem regionalisierten Input-Output-Modell.
Was Sturm in der Steiermark auslöst
Studie 2019Studie 2023
Bruttowertschöpfung
Arbeitsplätze
Steuern und Abgaben
Weitere Ergebnisse der Studie 2023:
- 1 Euro direkte Wertschöpfung bei Sturm löst weitere 1,20 Euro in Zulieferbranchen und über Einkommen aus.
- Die direkte, indirekte und induzierte Wertschöpfung übertrifft die erhaltenen öffentlichen Subventionen um mehr als das 72-Fache.
- Pro Vollzeitstelle bei Sturm werden mehr als zwei weitere Vollzeitstellen in anderen Betrieben abgesichert.
- Stadionbesucher legen im Schnitt 67,8 Kilometer für Hin- und Rückfahrt zurück; Kaufkraft kommt also von außerhalb nach Graz.
- Pro Stadionbesuch werden im Schnitt 40,90 Euro für Speisen und Getränke ausgegeben, dazu 7,10 Euro für öffentliche Verkehrsmittel, wenn öffentlich angereist wird.
- 84,2 Prozent der Befragten sehen Sturm nicht als finanzielle Belastung für die öffentliche Hand; 88,9 Prozent der befragten Grazerinnen und Grazer sagen, Sturm mache die Stadt lebenswerter.
Die Steuern und Abgaben verteilen sich auf Bund, Land, Gemeinden und Sozialversicherung; nicht alles davon landet in Graz. Die Studie wurde vom Verein beauftragt, die Befragung erfasste Stadionbesucher und ist daher nicht repräsentativ für alle Grazer.
Breitensport und Spitzensport
Laut einer vom ÖFB beauftragten Studie bringt jeder Euro der öffentlichen Hand im Fußball das 27-Fache an gesellschaftlichem Nutzen zurück. Die Studie berücksichtigt den gesamten organisierten Fußball, vom Profiklub bis zum Dorfverein.
Österreich: 2,9 Milliarden Euro gesamtgesellschaftlicher Beitrag
Die Econmove GmbH hat im Auftrag des ÖFB den „Social Return on Investment des Fußballs“ berechnet, präsentiert im Februar 202624, 25.
- Gesamtgesellschaftlicher Beitrag: rund 2,9 Milliarden Euro pro Jahr, inklusive sozialer und gesundheitlicher Wirkungen sowie Ehrenamt.
- Davon reine Wertschöpfung: knapp 1 Milliarde Euro; jeder 450. in Österreich erwirtschaftete Euro hängt am Fußball26.
- Jeder investierte Euro der öffentlichen Hand fließt 27-fach an die Gesellschaft zurück27.
Zum Ergebnis trägt laut Miriam Groß von SportsEconAustria der gesamte organisierte Fußball bei, von den Profivereinen über den Breitensport bis zu Infrastruktur, Ausrüstung und Gastronomie26. Zum Vergleich: Eine ältere Berechnung von SportsEconAustria kam für 2013 auf 667 Millionen Euro Bruttowertschöpfung und 21.901 Beschäftigte rund um den Fußball28.
Steiermark: 315 Millionen Euro gesellschaftlicher Wert
Eine neue Studie beziffert den gesellschaftlichen Wert des steirischen Fußballs auf 315 Millionen Euro29. Getragen wird er von 9.644 Freiwilligen, die zuletzt knapp 1,6 Millionen Stunden geleistet haben; das entspricht 932 Vollzeitkräften.
Der Präsident des Steirischen Fußballverbands, Wolfgang Bartosch, nennt die Kantine das finanzielle Rückgrat kleiner Vereine, mit bis zu 25 Prozent der Einnahmen. Gleichzeitig stellen Vereine wie Feldbach, St. Marein bei Graz und Gamlitz ihren Kampfmannschaftsbetrieb ein, teils aus finanziellen Gründen. Zum Vergleich mit einem anderen Bundesland: In Salzburg kommt die Studie auf über 113 Millionen Euro Wertschöpfung und 2.079 gesicherte Arbeitsplätze30.
Wo Sturm und der Breitensport zusammenhängen
- Akademie: Die Fußballakademie Steiermark wird gemeinsam vom Steirischen Fußballverband, Sturm und der HIB Liebenau betrieben; dazu kommt eine Frauenakademie mit fünf Grazer Partnerschulen31.
- Trainingszentrum Puntigam: Das neue Zentrum ist als Nachwuchs- und Frauentrainingszentrum geplant; die Grundstückskosten tragen Stadt Graz und Sturm zu gleichen Teilen, Sturms Anteil am Grundstückskauf liegt bei 3,39 Millionen Euro15.
- Vorbildwirkung: Sturm argumentiert, ohne Spitzensport gebe es keinen Breitensport; Profis, Nachwuchs, Frauen- und Behindertensport seien eng verbunden3.
Der Breitensport selbst steht ebenfalls unter Druck. Im Landesbudgetentwurf 2027 sinkt die Förderung der Sportvereine um 14,1 Prozent auf 1,996 Millionen Euro, jene der Dachverbände um 13,1 Prozent2.
Internationale Studien und Vergleiche
Studien aus Deutschland, Großbritannien, Spanien und Norwegen kommen zum selben Grundbefund: Ein erfolgreicher Profiklub bringt seiner Stadt Werbewert, Besucher und messbare Wirtschaftsleistung. Die Größenordnung hängt stark von der Methode ab; unabhängige Netto-Berechnungen fallen deutlich niedriger aus als Auftragsstudien der Klubs.
| Stadt / Klub | Kernergebnis | Art der Studie |
|---|---|---|
| Mönchengladbach / Borussia | Die Stadt müsste rund 15 Mio. € aufwenden, um denselben Werbeeffekt zu erzielen, den sie durch den Klub kostenlos erhält; Firmen machen Standortentscheidungen auch vom Image abhängig32 | Hochschulstudie im Auftrag des Klubs |
| Brighton & Hove / Brighton & Hove Albion | 612 Mio. Pfund Beitrag zur lokalen Wirtschaft 2022/23; Marken- und Medienwert 222 Mio. Pfund; 600.000 Besucher, davon 54.000 aus dem Ausland33, 34 | Wirkungsbericht des Klubs |
| Liverpool / Liverpool FC | 1,5 Mio. Stadionbesucher in der Saison 2017/18 brachten der regionalen Besucherwirtschaft rund 102 Mio. Pfund35 | Klubangaben |
| Glasgow / Celtic und Rangers | Netto fast 47 Mio. Pfund BIP-Effekt und über 2.100 Vollzeitstellen in Glasgow, Saison 2003/0436, 37 | Wissenschaftlich, Netto-Rechnung |
| Swansea / Swansea City | Netto-Regionaleffekt von rund 46 Mio. Pfund Wertschöpfung für Wales38 | Wissenschaftlich, Netto-Rechnung |
| Linz / LASK | 128,8 Mio. € Wertschöpfung pro Jahr durch Klub und Raiffeisen Arena, rund 20 Mio. € davon in Gastronomie und Hotellerie; einmalig rund 140 Mio. € durch den Bau39 | Studie, präsentiert mit Land und Klub |
| Klagenfurt / Gastspiel Sturm | Über 2 Mio. € Wertschöpfung pro Champions-League-Spiel für Klagenfurt, laut Bürgermeister40 | Schätzung der Stadt |
Bodø: Was ein Klub für eine kleine Stadt bedeuten kann
Bodø in Nordnorwegen hat rund 55.000 Einwohner. Bodø/Glimt erreichte 2025 als erster norwegischer Klub ein Europacup-Halbfinale und spielte danach Champions League41. Das Tourismusbüro Visit Bodø nennt die internationale Aufmerksamkeit in Geld nicht messbar; Fans reisen an und präsentieren die Stadt in sozialen Medien.
Der Sportsoziologe Mads Skauge von der Nord-Universität sieht eine gestiegene Investitionsbereitschaft in der Stadt. Ein Doktorand berichtet, der Klub sei ein wesentlicher Grund für seine Wahl der Universität gewesen. Der Klub baut ein neues Stadion, geplante Fertigstellung Herbst 2027.
Der Klub als öffentliches Gut
Sportökonomen messen mit Befragungen, wie viel Anrainer ein Klub wert ist, auch wenn sie nie ins Stadion gehen. Eine Studie im Schmalenbach Business Review zeigt, dass öffentliche Güter eines Bundesligaklubs wie Freude oder Gesprächsstoff für Anwohner einen Geldwert haben42.
Eine Untersuchung zu 28 deutschen Klubs aus drei Ligen fand, dass Fans und Bewohner der Region bereit sind, ihren Klub finanziell zu unterstützen, Stadionbesucher wie Nicht-Besucher43. Eine spanische Studie von 2026 kommt zum Schluss, dass regionale Profiklubs breit genutzte öffentliche Güter schaffen; diese immateriellen Effekte werden dort als Begründung für öffentliches Engagement herangezogen44.
Soziales Engagement von Verein und Fans
Die Sturm-Fanszene hat seit 2013 rund 900.000 Euro für soziale Zwecke gesammelt, 2025 allein 143.000 Euro. Der Verein selbst betreibt seit 2020 die Initiative STURM HILFT mit festen Partnerschaften im Gewaltschutz und in der Kinder- und Jugendhilfe.
Die Fans: Schwoaze Helfen
„Schwoaze Helfen“ ist der Verein, der die Spenden- und Sozialaktionen der Sturm-Fanszene koordiniert. Das Geld kommt aus Becherspenden, Versteigerungen, Fanartikeln, Spendenboxen in Lokalen und Aktionen einzelner Fanklubs45.
Spenden der Fanszene pro Jahr
In den ersten zehn Jahren kamen 625.000 Euro zusammen; mit 2024 und 2025 sind es rund 905.000 Euro. 2025 war der 13. Spendenrekord in Folge.
Die größten Spendenziele 2025:
| Empfänger | Zweck | Betrag |
|---|---|---|
| Verrückt? Na und! | Psychische Gesundheit an Schulen, neu auch in Sportvereinen | 60.000 € |
| Sebastian | Behindertengerechtes Auto | 12.000 € |
| Manuela | Krebstherapie einer dreifachen Mutter | 9.975,90 € |
| Schlupfhaus (Caritas) | Notschlafstelle für Jugendliche, Projekt „walk in … take away“ | 8.000 € |
| Robin | Assistenzhund für eine junge Frau mit Autismus | 6.620 € |
| Tierheime in und um Graz | Futtergutscheine für sechs Einrichtungen | 5.874,27 € |
| Frauenhäuser Steiermark | Schutz für gewaltbetroffene Frauen | 5.060,27 € |
| Homeless World Cup Österreich | Training und Workshops für obdachlose Spielerinnen und Spieler | 5.000 € |
| Kinderhilfehaus Graz | Patenschaft für ein Familienzimmer neben der Kinderklinik | 3.950 € |
Insgesamt wurden 2025 18 Spendenziele unterstützt, darunter auch die Übernahme von drei Monatsmieten für eine Familie in Not und Weihnachtspakete für 200 Kinder. Die Solidarität reicht über die Vereinsgrenzen hinaus: Je 1.909 Euro gingen an die Familie eines verstorbenen Rapid-Fans und an einen Fan von Blau-Weiß Linz im Rollstuhl. 2024 sammelten Sturm- und Austria-Fans gemeinsam für Hochwasseropfer49.
Der Verein: STURM HILFT und Inklusion
- Leuchtturm-Partnerschaften seit Juni 2023: SOS-Kinderdorf, Frauenhäuser Steiermark und Männerberatung Steiermark, mit Mottospieltagen und Spielerbesuchen50.
- Mädchen-WG Graz Süd: Erlöse aus einer Trikotversteigerung flossen in die neue Wohngemeinschaft von SOS-Kinderdorf51.
- Europacup-Trikots mit Botschaft: „STOP VIOLENCE AGAINST WOMEN“ in Rotterdam, ein SOS-Kinderdorf-Trikot in Bodø, ein Trikot zu 200 Jahren Brailleschrift50.
- Kinder gratis ins Stadion: Seit 2022/23 kostenlose Tagestickets für Kinder bis 14 Jahre in den Familiensektoren.
- Barrierefreiheit: rund 70 Rollstuhlplätze, Audiodeskription für blinde und sehbehinderte Fans, kostenlose Begleitpersonen laut Behindertenpass, barrierefreie Busreisen.
- Special Blackies: inklusive Fußballmannschaft, bei der Gemeinschaft statt Leistung im Vordergrund steht.
- Prävention: Projekt „Gemeinsam stark gegen Mobbing“, Kooperation mit einer Plattform für psychologische Online-Beratung, Unterstützung von Blindfootball Graz.
- Kinderklinik: Spieler besuchen seit rund zehn Jahren jeden Herbst die Kinderkrebsstation bzw. vor Weihnachten das Kinderzentrum des Uniklinikums52.
Der Verein unterstützt die Fanaktion auch direkt: 2024 übergab STURM HILFT 5.000 Euro an Schwoaze Helfen53.
Der SK Sturm im Überblick
Sturm ist seit 2021 durchgehend im Europacup und hat Graz 2024/25 erstmals seit über 20 Jahren in die Champions League gebracht. Der Verein wurde 1909 gegründet und spielt seit Gründung der Bundesliga 1974/75 ununterbrochen in der höchsten Liga54.
Sturm ist ein unabhängiger Mitgliederverein und gehört keinem Konzern. Im Kuratorium engagieren sich rund 40 Persönlichkeiten aus Kunst, Kultur, Wissenschaft, Wirtschaft, Kirche und Sport, alle selbst Mitglieder55.
Nationale Erfolge
- Meister 2024: Sturm beendete das zehnjährige Meister-Monopol von Red Bull Salzburg56.
- Meister 2025: Titelverteidigung mit zwei Punkten Vorsprung auf Salzburg57. Zwei Titel in Folge waren dem Verein zuvor nur unter Ivica Osim 1998 und 1999 gelungen58.
- Cupsieger 2023 und 2024: 2024 damit das Double21.
Europacup seit 2021

| Saison | Bewerb | Ergebnis |
|---|---|---|
| 2026/27 | Europa League, Ligaphase | Sechste europäische Gruppen- bzw. Ligaphase in Folge, u. a. gegen Stade Rennes und AFC Bournemouth59 |
| 2025/26 | Europa League, Ligaphase | Nach dem Champions-League-Play-off in die Europa League60 |
| 2024/25 | Champions League, Ligaphase | 1:0 gegen Girona, die ersten Königsklassen-Punkte seit Februar 200161; 1:0 gegen RB Leipzig vor 26.851 Zuschauern62 |
| 2023/24 | Europa League, danach Conference League | Gruppe mit Atalanta, dem späteren Titelträger, und Sporting63; erster Europacup-Frühling seit 23 Jahren, 4:1 und 1:0 gegen Slovan Bratislava64, Achtelfinale gegen Lille65 |
| 2022/23 | Europa League, Gruppenphase | Gruppenphase erreicht54 |
| 2021/22 | Europa League, Gruppenphase | Gruppenphase erreicht54 |
Dazu kommen Spieler, die von Graz aus in Europas Topligen gewechselt sind, etwa Rasmus Höjlund (über Atalanta zu Manchester United), Emanuel Emegha (Straßburg), Alexander Prass (Hoffenheim) und Mika Biereth (Monaco). Bei jedem dieser Auftritte steht der Name der Stadt im Vereinsnamen und auf den Bildschirmen in ganz Europa.
Die Stadionfrage
Das Stadion Graz-Liebenau ist mit 16.364 Plätzen ausgelastet und nicht für die Champions League zugelassen; 2024/25 gingen deshalb alle vier Heimspiele samt Wertschöpfung nach Klagenfurt. Sturm-Geschäftsführer Thomas Tebbich nennt das Stadion den limitierenden Faktor: Man sei mit der Gesamtkapazität an die Grenzen gestoßen66.
Kapazität und Nachfrage

- 2023/24 hatte Sturm gut 8.600 Abonnenten bei einem Zuschauerschnitt von 14.874; 2024/25 waren es über 10.000 Abonnenten. Bei Grazer Derbys müssen Abonnenten umgesetzt werden, um Platz für GAK-Fans zu schaffen66.
- Die Ticketeinnahmen stiegen 2023/24 um 35 Prozent auf 7,4 Millionen Euro.
- Für das Champions-League-Spiel gegen RB Leipzig kamen in Klagenfurt 26.851 Zuschauer62, gegen Girona 21.50267. Beides hätte in Liebenau keinen Platz gehabt.
Vergleich mit anderen österreichischen Stadien
Zuschauerplätze im Vergleich
Rapid ist Eigentümer seines Stadions. Von den 53 Millionen Euro Baukosten kamen fast 20 Millionen von der Stadt Wien; den Rest brachten Namenssponsor Allianz und Rapid über langfristige Kredite auf72. Bei nationalen Spielen fasst das Stadion mit Stehplätzen 28.345 Zuschauer, international, ohne Stehplätze, 24.28874. Sturm und GAK sind in Liebenau dagegen Mieter der Stadt.
Neue Stadien haben in Österreich die Zuschauerzahlen deutlich erhöht: bei Rapid im mehrjährigen Schnitt um 27 Prozent, bei der Wiener Austria um 12 Prozent und bei Salzburg in der Zeit vor Red Bull um 45 Prozent71. Rapid erreichte im Herbst 2024 mit 28.345 Plätzen einen Schnitt von 21.150 Zuschauern69; Graz ist die zweitgrößte Stadt Österreichs, hat aber das kleinste dieser Stadien.
Warum Liebenau nicht für die Champions League reicht
Das Stadion behielt die höchste UEFA-Kategorie 4 und ist für Europa League und Conference League zugelassen. Für die Champions League verweigerte die UEFA die Zulassung, vor allem weil die Arbeitsbereiche für Medien und TV-Sender nicht ausreichten75, 76. Sturm wich deshalb nach Klagenfurt aus.
Klagenfurts Bürgermeister Christian Scheider rechnete mit einer Wertschöpfung von über zwei Millionen Euro pro Spiel für seine Stadt und mit einem enormen Werbewert durch die TV-Bilder77. Bei vier Heimspielen ergibt das nach dieser Schätzung über acht Millionen Euro, die nicht in Graz wirksam wurden.
„Es ist ein Trauerspiel, dass Sturm Graz seine internationalen Spiele in Klagenfurt austragen muss.“
Dieter Hardt-Stremayr, Tourismuschef von Graz78
Fehlende Vermarktungsrechte
Sturm ist Mieter, Eigentümerin ist die Stadt. Präsident Jauk bezifferte den Standortnachteil gegenüber den Stadien in Linz und Wien Ende 2024 mit einem hohen siebenstelligen Betrag pro Jahr66; im September 2026 sprach er von jährlich entgangenen Stadioneinnahmen in Millionenhöhe59. Das sind Vereinsangaben. Den VIP-Klub im neuen Hospitality-Gebäude neben dem Stadion hat Sturm in Eigenregie errichtet70, 79.
Die Ausbaupläne
Eine erste Machbarkeitsstudie 2025 sah einen Vollausbau um rund 120 Millionen Euro plus rund 30 Millionen Euro für Grundstücke vor; die Stadt stellte damals 30 Millionen Euro in Aussicht73, 80. Die vertiefte Studie vom 12. Mai 2026 rechnet mit rund 60 Millionen Euro netto, im Kostenrahmen von 60 bis 70 Millionen Euro, den Stadt und Land vorgegeben haben81.
Geplant sind rund 15.700 Sitzplätze, mit flexiblen Stehplätzen bei nationalen Spielen rund 20.100 Zuschauer, und ein Hospitalitybereich samt Skyboxen für rund 1.700 Gäste; das Stadion soll UEFA-tauglich bleiben. Die Finanzierung ist laut Stadt noch nicht final geklärt, der Planungsbeschluss wird für Herbst 2026 vorbereitet73. Stadtbaudirektor Bertram Werle sprach von der Chance auf einen Neustart nach knapp 30 Jahren82.
Einordnung: Was die Zahlen aussagen und was nicht
Die Studien zeigen alle in dieselbe Richtung, ihre Beträge sind aber nicht direkt vergleichbar und nicht mit Geld in der Stadtkasse gleichzusetzen. Folgende Punkte sind bei der Verwendung zu beachten.
- Werbewert ist kein Bargeld. Er gibt an, was vergleichbare Werbeflächen und Medienpräsenz kosten würden. Für die Holding ist er dennoch die relevante Größe, weil sie Sponsoring als Werbung einkauft.
- Brutto und netto. Wertschöpfungsstudien rechnen meist brutto. Ein Teil der Ausgaben rund um ein Spiel würde ohne Fußball anderswo in der Region ausgegeben. Die wissenschaftliche Swansea-Studie zeigt das: Zählt man nur zusätzliche auswärtige Besucher, sinkt der Spieltagseffekt von gut 3 Millionen auf 1,3 Millionen Pfund38.
- Auftraggeber. Die Sturm-Studie, die Studien zu Brighton und Mönchengladbach sowie die Zahlen aus Liverpool stammen von den Klubs oder wurden von ihnen beauftragt. Die Holding-Studie hat dagegen der Sponsor selbst in Auftrag gegeben, die Glasgow- und Swansea-Studien sind wissenschaftliche Arbeiten. Die McKinsey-Zahlen zum deutschen Profifußball hat die DFL beauftragt; McKinsey selbst weist darauf hin, dass Fans ihr Geld ohne Bundesliga teilweise anders ausgeben würden102.
- SROI ist ein Gesellschaftswert. Die 2,9 Milliarden Euro der ÖFB-Studie enthalten monetarisierte Gesundheits-, Sozial- und Ehrenamtseffekte; die reine Wertschöpfung liegt bei knapp einer Milliarde Euro.
- Steuern verteilen sich. Von den 20,2 Millionen Euro Steuern und Abgaben fließt der größte Teil an Bund, Land und Sozialversicherung. Direkt in Graz landet vor allem die Kommunalsteuer, dazu Ertragsanteile über den Finanzausgleich.
- Befragungen. Die Zustimmungswerte der Sturm-Studie stammen von Stadionbesuchern und sind nicht repräsentativ für alle Grazerinnen und Grazer.
- Vereinsangaben. Der vom Präsidenten genannte Standortnachteil in hoher siebenstelliger Höhe pro Jahr und das Baurechtsangebot sind Aussagen des Vereins, keine geprüften Zahlen oder Beschlüsse.
Trotz dieser Einschränkungen gilt: Auch die vorsichtigen, wissenschaftlichen Netto-Rechnungen aus Glasgow und Swansea weisen zweistellige Millionenbeträge aus, im Fall Glasgow dazu über 2.100 Arbeitsplätze. Und für das Sponsoring liegt mit der Holding-Studie eine Messung des Sponsors selbst vor.
Fazit
Die verfügbaren Zahlen stützen die Aussage, dass Graz von Sturm mehr erhält, als die Stadt über das Holding-Sponsoring investiert. Sturm ist dabei Teil einer Sportwirtschaft, die in Österreich fast 5 Prozent der Wertschöpfung trägt. Die wichtigsten Befunde im Überblick:
- Sponsoring: Die Holding hat für 2023/24 selbst einen Werbewert von 1,9 Millionen Euro gemessen, gegenüber rund 500.000 Euro Sponsoring pro Jahr.
- Stadtkasse: Über die Kommunalsteuer fließen geschätzt 0,6 bis 0,9 Millionen Euro pro Jahr direkt an Graz. Insgesamt löst Sturm laut Studie 20,2 Millionen Euro Steuern und Abgaben aus.
- Wirtschaft: 42 Millionen Euro Bruttowertschöpfung und 462 Vollzeitstellen in der Steiermark (2022/23), Tendenz steigend gegenüber der Studie 2019.
- Stadion: Liebenau ist mit 16.364 Plätzen ausgelastet und nicht Champions-League-tauglich; die vier Heimspiele 2024/25 brachten nach Schätzung der Stadt Klagenfurt dort über acht Millionen Euro Wertschöpfung. Neue Stadien haben in Österreich die Zuschauerzahlen um 12 bis 45 Prozent erhöht.
- Gesellschaft: Die Fanszene hat seit 2013 rund 905.000 Euro gespendet; der Verein betreibt feste Partnerschaften mit SOS-Kinderdorf, Frauenhäusern und Männerberatung sowie Inklusionsangebote.
- Breitensport: Laut ÖFB-Studie fließt jeder Euro der öffentlichen Hand im Fußball 27-fach an die Gesellschaft zurück; in der Steiermark liegt der gesellschaftliche Wert des Fußballs bei 315 Millionen Euro.
- International: Studien aus Deutschland, Großbritannien, Spanien und Norwegen zeigen Werbe-, Besucher- und Imageeffekte von Profiklubs für ihre Städte; unabhängige Netto-Rechnungen fallen kleiner, aber deutlich positiv aus.
- Politik: Nach fast drei Jahrzehnten ohne grundlegende Modernisierung liegen seit 2024 konkrete Ausbaupläne vor. Ein endgültiger Beschluss und das Betriebsmodell sind offen; Sturm hat ein Baurechtsmodell mit hoher Eigenfinanzierung ins Spiel gebracht.
Günter Kohlhofer
Text und Recherche, Graz, 16. Oktober 2026